Mein Weg in ein koreanisches Zen Kloster
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Mein Weg führte mich nach Golgul-sa Mein Weg führte mich nach Golgul-sa (Golgul-Tempel) in Korea um am eigenen Leib zu erfahren was es bedeutet in einer spirituellen Gemeinschaft „zu sitzen“ und zu „trainieren“. Da ich zum Glück das Verständnis meiner Familie gehabt habe, durfte ich während unserer Reise dort für kurze Zeit als „Mönch“ leben.

 

Diese Beschreibung soll nicht dazu dienen alles zu dokumentieren, denn ich könnte – selbst wenn ich wollte- nicht mal ansatzweise mit Worten das wiedergeben was ich dort erlebt habe.

 

Vielmehr soll diese Schilderung jeden – der die Möglichkeit erhält- ermutigen diesen Weg, wenn auch nur kurz, zu gehen und zu erfahren. Was genau ?.. nun das muss dann jeder selbst herausfinden.

Ich habe während unserer Koreareise folgende Tempel besucht:

  • Haeinsa, der "Tempel des Großen Meeres der Meditation", liegt hoch abgelegen auf dem Berg Gayasan im Landkreis Hapcheon in der Provinz Gyeongsangnam-do
  • BoriamTempel auf der Berg Geumsan, die wir auch zur Fuß „bezwungen“ haben
  • Yonmunsa, (Insel Namhae) liegt sehr idyllisch und weitestgehend Touristenfremd
  • Bulguksa, der bekannteste Tempelanlage, (leider) volle Touristen
  • Seokguram Grotte in der Nähe von Bulguksa
  • und natürlich Golgulsa, der Tempel meines Aufenthaltes

Der Golgul-Tempel ist ein Ort der Stille

Der Golgul-Tempel ist ein Ort der Stilleund der Besinnung eingebettet in die malerische Gebirgslandschaft Koreas. Gegründet wurde er im Jahre 647 n. Chr. von dem Shilla-Priester Chajang. Die Anlage ist nach einer beschwerlichen Wanderung zu erreichen (ganz faule können natürlich auch mit dem Auto hochfahrenJ), die Mönche dort leben abgesondert und sind an der Öffentlichkeit nicht interessiert. Besucher gibt es dort genug, aber nachdem der letzte Tourist gegangen ist gibt es dort oben niemanden mehr, außer Tempelbewohner und Hunde. Das besondere an diesem Tempel ist, dass dort neben Meditation (Za-Zen) eine Zen Buddhistische „Kampfkunst“ namens Sunmudo trainiert wird. Auch wenn jemand nur als Besucher einige Tage dort verbringt sind zwei Trainings pro Tag Pflicht.

Sunmudo ist eine Tempelkampfkunst aus Korea, die von Sun (Chan/Zen) buddhistischen Mönchen in dem Golgul-Tempel gepflegt wird. Sunmudo wird als direkter Abkömmling des Shaolin Quan Fa aus China bezeichnet. Sun steht für Chan bzw. Zen, Mu für militärisch und Do für Weg. Sunmudo kam vermutlich während der Zeit der drei Königreiche (372 n. Chr.) nach Korea und wurde innerhalb der buddhistischen Gemeinde sehr sorgfältig bewahrt.

 


Sunmudo unterscheidet sich wesentlichSunmudo unterscheidet sich wesentlichvon anderen koreanischen Kampfsport-Arten wie Taekwondo oder Hapkido. Es gibt weder Platten oder Ziegel zu zerschlagen, noch Schreie. Junge Mönche spezialisieren sich zwar gerne auf spektakuläre Kick-Bewegungen, welche repräsentativ für den koreanischen Kampfsport sind - das Hauptgewicht im Sunmudo liegt jedoch darin, die verschiedenen Kampfübungen im Einzeltraining sehr langsam zu machen. Das hohe Niveau von Sunmudo zeigt sich speziell in diesen langsamen Bewegungen (ähnlich wie bei Taiji und Qigong) die große Balance und Kontrolle erfordern.

Besonders ist auch die tiefe Vielfalt der Trainingsmethode: Sie besteht aus Entspannungsübungen (Dehnungen und beruhigendem Yoga), intensiven Atemübungen (Chakra-Atmung), Ki-Kung (Qigong) und dynamischen Kampfsport. Zusätzlich wird großer Wert auf gesunde Ernährung (kein Fleisch), positive Gedanken und Lebenseinstellung gelegt, um Körper und Geist zu beruhigen und zu erneuern.

TempelhundNeben dem Training führten uns die Mönche über das hügelige Gelände, zeigten verschiedene Tempel und erläuterten dabei die Geschichte des koreanischen Buddhismus. Einige der Sehenswürdigkeiten sind zum Beispiel der riesige in Fels gehauene Stein-Buddha, welcher hoch oben am Berg über die Tempelanlagen wacht, und die vielen kleinen Meditationshöhlen des Golgul-Tempels.


Was es bedeutet morgens um 04.00 Uhr aufzustehen ?Was bedeutet morgens um 04.00 Uhr aufzustehen? Nichts Neues für mich, unsere Tochter hat mich bereits „vorbereitet“. Aber dann in einer stillen, kalten, extrem ruhigen Halle mit Menschen zu sitzen und zu meditieren, das ist ein Gefühl das ich nicht beschreiben kann. Am Anfang verliert man sich in all diesen einzelnen kleinen Zeremonien, aber irgendwann nach 30 bis 40 Minuten ist das auch egal und dann gibt es keine Sorgen mehr über schmerzende Beine, zu dünne Hemden, schnarchende Hunde im Hintergrund…es gibt es nur noch .. sitzen und sein. Großartig.

Als mehr oder weniger erfahrener Kampfkünstler war die Trainingseinheit in Sunmudo nichts wirklich neues, schon aber die Art und Weise wie trainiert wird. Langsame, bewusste Bewegungen mit harten Dehnübungen und yogaartigen Haltungen, sehr hart - ich habe bereits abends überall Muskelkater gehabt. Was mir sehr gut gefiel waren die Gespräche danach, bei einem Grünen Reistee mit dem Meister. Diese liefen teilweise aufgrund der Sprachbarriere etwas konfus ab, aber vielleicht konnte man gerade deshalb oft mit wenigen Worten „auf den Punkt“ kommen.


Ein BeispieGolgul-sa, ich komme wiederl: auf unserem „Infozettel“ stand, dass wir nach dem ersten Training eine „Teezeremonie“ besuchen würden. Nun wir saßen nach dem Training in einem kleinen Umkleideraum, der Meister schenkte dann allen eine Tasse Tee ein, einfach ohne irgendwelche vollendeten Bewegungsabläufe, kein Spur von Zeremonie oder etwas erhabenes. Ich fragte dann wann denn genau die „richtige“ Teezeremonie anfangen würde, der Meister schaute mich kurz an und fragte „was steht auf deinem Infozettel?l“, ich sagte „hier steht um 21.00 Uhr“, er wieder: „und..wie spät ist es jetzt?“…. ich schaute auf eine Wanduhr… es war 21.10 Uhr. …und dann trank ich einfach mein Tee weiter, nicht mehr und nicht weniger. Es wurde Zeit meine romantische Vorstellungen in Schubladen zu stecken und einfach das tun was Zen lehrt. Einfach tun.

Golgul-sa, ich freue mich schon auf unser Wiedersehen. Wenn nicht in diesem Leben, dann im nächsten. Versprochen.

PS: Mit nicht wenigem Stolz habe ich dann auch noch die 108 Verbeugungen geschafft. Was das soll? Nun, findet es heraus.


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