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Etikette Allgemein

Auf Grund des Platzmangels in Japan kann man sich oftmals den Luxus eines Privatlebens nur bedingt leisten. Viele Dinge des Privatlebens spielen sich deshalb in der Öffentlichkeit ab. Daher spielt die Etikette und Höflichkeit eine besondere Rolle, deren wichtigsten Merkmale hier kurz angesprochen werden sollten. Übrigens: diese "Grundsätze" können Sie auch in den Rest der Welt -in der verschiedenen Kampfkunstschulen- wiederfinden. Die teilweise übertriebene Höflichkeit ist oft nur eine eingeprägte Verhaltensmuster, die "nicht immer" einen tieferen Bedeutung hat.


Begrüssung

Es gehört heute zur Allgemeinbildung, daß es in Japan üblich ist, sich als Begrüßung zu verbeugen. Diese japanische Verbeugung an jedem Ort und zu jeder Zeit ist oft eine Quelle der Belustigung für viele Ausländer. Während Abendländer typischerweise einen Händedruck anbieten, wenn sie Wärme oder Aufrichtigkeit zeigen wollen, ist es japanische Art, sich von der Taille herab in einer Geste von stiller Achtung zu verbeugen.

JapanOhne ein Wort, kann eine Verbeugung eine Begrüßung, ein "Auf Wiedersehen" oder einen Ausdruck von Dank darstellen. Die Form der Verbeugung, die sich von den Traditionen der Kriegerkaste (samurai) her ableitet, leitet sich von der Art der Verbeugung ab, die man ausführt, wenn man auf einer Tatami sitzt. Es gibt zahlreiche Nuancen der Verbeugung, die davon abhängen, zu welchen Umständen sie ausgeführt werden. Zum Beispiel hängt die richtige Tiefe der Verbeugung von der entgegenzubringenden Achtung und dem Geschlecht des Gegenüber ab.

Auf einer Tatami sitzend beugen Sie Ihren Oberkörper gerade nach vorn und halten den Rücken dabei gestreckt, die Arme in natürlicher Haltung nach vorn und die Spitzen der Finger treffen sich auf dem Fußboden in einem Abstand von etwa 10 cm. Die Verbeugung wird so tief ausgeführt, daß der Kopf ca. zwanzig Zentimeter vom Fußboden entfernt ist.

Dies ist eine Verbeugung, die in den meisten Fällen angebracht ist. Man sollte immer beachten, daß die Taille sozusagen der Drehpunkt ist und der Oberkörper gerade wie ein Brett gehalten wird. Wichtig ist auch die Atmung, eine Methode ist reisansoke (drei Atemzüge). So sollte man einatmen während des Herunterbeugens, dann ausatmen und wieder einatmen wenn man sich aufrichtet.

Die stehend ausgeführte Verbeugung wird in drei Kategorien unterteilt: die leichte Verbeugung, die normale und die höflichste Verbeugung. Der einzig bedeutende Unterschied ist der Winkel, der mit der dem Gegenüber entgegengebrachten Achtung größer wird. In den meisten Fällen ist eine Verbeugung von 45 Grad die richtige Wahl. Mit 15 Grad verbeugt man sich nur vor Personen mit denen man sehr vertraut ist, wie Familienangehörigen oder guten Freunden. Eine 90 Grad-Verbeugung ist zeremoniellen Angelegenheiten wie einem Besuch in einem Schrein oder buddhistischen Tempel vorbehalten. Bei einer Verbeugung lassen Sie Ihre Hände am besten natürlich herabhängen. Das ganze nicht verkrampft, sondern möglichst locker und natürlich und während der Verbeugung bilden Kopf und Rücken eine gerade Linee - so einfach ist das. Bedenken Sie immer - in Japan gilt: "wahre Achtung beginnt mit der Geste ..."


Essen

Die Aussage, daß Japaner beim Essen grundsätzlich Schlürfen und andere laute Geräusche verursachen, ist üble Nachrede. Nur Nudeln muß man laut schlürfend aus der Suppe ansaugen, da sie sonst nicht ihr volles Aroma entfalten. Wer es einmal selber probiert hat, weiß wieviel Freude dies machen kann.


Seine Eßstäbchen darf man nicht senkrecht in das Essen z.B. in sein Reisschälchen stecken, da auf diese Art nach einem buddhistischen Brauch den Toten ihr Essen gereicht wird. Ebenso reicht man nichts von seinen Stäbchen auf die eines Tischnachbarn, denn nach einem anderen buddhistischen Begräbnis-Ritual werden so die Knochen aus der Asche des Verstorbenen den Hinterbliebenen mit Stäbchen gereicht. In Gesellschaft sagt man vor dem Essen itadakimasu (wörtlich: ich werde bekommen) und nach dem Essen gochisosama deshita (war schmackhaft und sättigend).


Nach dem Essen bricht gewöhnlich ein Streit darüber aus, wer die Rechnung bezahlen darf. Die Höflichkeit gebietet es, daß man zumindest einmal den Versuch unternimmt, in den Genuß dieses Privilegs zu gelangen. Sehr schnell mußte ich aber lernen, daß japanische Studenten oftmals nicht die bei diesem Streit erforderliche Härte zeigen und viel zu zeitig nachgeben.


Beim Bier, Wein- oder Sake-Trinken, schenkt man immer nur den anderen ein und wartet geduldig, bis ein anderer einem das Glas füllt. Wenn eine höhergestellte Persönlichkeit einem Untergebenen das Glas füllt, so gebietet es die Höflichkeit, daß dieser es in einem Zuge leert.



Geisha und Yakuza

JapanGeisha und Fuji, Kirschblüten und Mandelaugen, Kimono und Stäbchen - man könnte die Liste westlicher Japan-Klischees beliebig lange fortsetzen und würde damit nichts über die Wirklichkeit Japans sagen und dennoch etwas durch und durch Japanisches umschreiben.


Beim Wort Geisha denkt der westliche Mann an raffinierte Erotik und durch eingeübte Konventionen verfeinerte Prostitution. Vorab ist festzustellen, daß die Tradition der Geisha-Unterhaltung heute keine nennenswerte Rolle mehr in Japan spielt. Das liegt nicht nur an den sehr hohen Kosten - Ausbildung und Ausstattung belaufen sich auf mehrere hunderttausend Mark, die amortisiert sein wollen -‚ sondern auch an der sich verändernden Realität. Urspünglich durchaus in einem Bereich angesiedelt, in dem sich Tanz, gesangliche und instrumentale Unterhaltung sowie käufliche Liebe eng berührten, löste sich der Beruf der Geisha nach der gesetzlichen Abschaffung des Menschenhandels 1872 endgültig von der Prostituticn.


Es verblieb die Aufgabe, in die nüchternen, von strengen Regeln und Verpflichtungen bestimmten Beziehungen innerhalb der Männerge- sellschaft einen Hauch von Poesie, Schönheit und kultivierter Zerstreuung zu bringen. Mit der allmählichen Auflösung dieser Gesellschaftsstruktur und der Einbeziehung von Ehefrauen und Familien ins berufliche und gesellschaftliche Umfeld der Männer wurde diese Funktion jedoch zunehmend überflüssig. In den schönen, altertümlichen Gassen des Kyotoer Gion-Viertels kann man mit etwas Glück gelegentlich Vertreterinnen dieses aussterbenden Berufes begegnen: ein letzter Abglanz einer versinkenden Welt.



Daß es in Japan, dem Musterland der Ordnung und Disziplin, mächtige Gangstersyndikate gibt, paßt so gar nicht ins gängige Klischee.


Tatsache aber ist, daß deren Macht und öffentlicher Einfluß den der italienischen Mafia bei weitem übertrifft. Die in Familien gegliederten Yakuza haben ihre ursprünglichen Betätigungsfelder -Glücksspiel, Prostitution, Rauschgift und Schutzgelderpressung - inzwischen durch umfangreiche legale Aktivitäten ergänzt. Heute arbeiten sie mit ihren immensen Finanzmitteln vorwiegend im Baugewerbe, in der Grundstückspekulation sowie im Aktienge- schäft.


Das Jahreseinkommen der drei größten Familien wird auf über 90 Mrd. Mark taxiert. Die Yakuza sind so zu einer der größten Wirtschaftsmächte des Landes geworden. Gut gekleidet und wenig auffällig mischen sie sich heute unter Geschäftsleute und Politiker und sind dort wegen ihren dicken Brieftaschen gern gesehen. Ihre "Gefälligkeiten" kommen naturgemäß eher den Politikern der rechtsgerichteten Parteien zugute -wenn auch nicht ausschließlich.


Das straffe, auf unbedingter Loyalität beruhende System übt besonders auf labile, entwurzelte junge Menschen eine ähnliche Anziehungskraft aus wie gewisse obskure Sekten. Hier wird ihnen geboten, was sie in der modernen Industriegesellschaft nicht mehr finden: Zusammengehörigkeitsgefühl und die Geborgenheit einer Art Großfamilie.

 

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