Japan besitzt eine sehr alte und hochartifizielle Theaterkultur. Die älteste Form ist das No-Theater, das aus ver schiedenen volkstümlichen Spieltraditionen von Zeami (1363-1443) als Gesamtkunstwerk aus Tanz. Musik, Sprache und Gesang geschaffen wurde.
Unter dem Einfluß der höfischen Gesellschaft, die No ausschließlich zu ihrer eigenen Unterhaltung bestimmte, entwickelte es sich zu der noch heute gepflegten hochstilisierten Spielform, in der nicht die Natürlichkeit der Darstellung das Ziel ist, sondern die symbolische Repräsentation: gemessene stilisierte Bewegungen, typisierende Masken, ein die Handlung kommentierender Chor, Orchester und Tanz.
Alles ist auf Andeutung, Sparsamkeit der Mittel und Abstraktion ausgerichtet. Gefühlsbewegungen werden lediglich durch symbolische Gesten ausgedrückt, auf Dekoration fast völlig verzichtet. Die Pracht der kostbaren Gewänder. die Präzision der Musiker, die absolute Beherrschung jeder Bewegung und Geste machen eine No-Aufführung auch für denjenigen zu einem großen Erlebnis, der dem Gang der Handlung nicht genau folgen kann.
Das Bunraku-Puppenspiel und das revueartige Kabuki-Theater sind Theaterformen des Bürgertums. Die Stücke handeln meist von kriegerischen Ereignissen oder tragischen persönlichen Konflikten. Beide sind im Gegensatz zum No emotionsgeladen, expressiv, oft laut und voller darstellerischer und bühnentechnischer Uberraschungen, die auch westliche Besucher in ihren Bann ziehen.
Musik
Wo immer durch Töne eine typisch japanische Atmosphäre geschaffen werden soll, läßt man die Bambusflöte (shakuhachi) und das dreisaitige, bartjoartige Shamisen erklingen. Beide geben mit ihren herben, asketischen Klängen am besten das für alle Zenkünste so wesentliche Gefühl von Wabi und Sabi wieder. Wie gefühlsintensiv, ja ekstatisch das Shamisen gespielt werden kann, erlebt man bei einer Bunraku-Aufführung, wo der Shamisen-Virtuose in der Lage ist, seinen drei Saiten den Ausdruck von Liebe und Schmerz, Verzweiflung, Wut und Glück zu entlocken.
Ähnlich ausdrucksstark kann die 13saitige japanische Harfe (koro) gespielt werden. Diese drei typischen Instrumente stammen wie auch die auf ihnen gespielte Musik aus dem l6.Jh. Weit älter und gänzlich anders instrumentiert ist die strenge, mittelalterliche Hofmusik, Gagaku (in Verbindung mit Hoftanz Bugaku) mit Mundorgeln, Flöten und zahlreichen Trommeln. Gagaku kam früh aus China und soll indischen oder persischen Ursprungs sein. Die älteste japanische Musiktradition ist shintoistischen Ursprungs. Kagura ist mit würdevoll-ernsten Ritualtänzen verbunden und ist bis heute unverändert.
Seit dem späten 18.Jh. erstarrte die japanische Musiktradition und erfuhr erst wieder mit der Öffnung des Landes eine fruchtbare Erneuerung. Heute bietet Japan ein sehr lebendiges Musikleben, in welchem alle Sparten der westlichen Musik reich und in perfekter Realisation vertreten sind - von Klassik bis Pop.
Malerei
Mit dem Buddhismus kam die chinesische Sakralmalerei (kongo) nach Japan, neben der sich schon früh eine eigenständige japanische Malerei (yarnato-e) entwickelte. Diese ist im Gegensatz zu der farbenfrohen, detail-und schmuckorientierten Kunst Chinas auf die Linie als Urundelement konzentriert. In der auf das Wesentliche reduzierten Tuschmalerei findet dieser Stil seine Vollendung: leergebaltene Flächen und im malerischen Untergrund sich verlierende Linien regen den Betrachter an. das Bild in der eigenen Vorstellung zu vollenden.
Häufig sind solche Bilder mit Schrift versehen, die jedoch auch als kunstvolle Kalligraphie zum eigenständigen Kunstwerk werden kann. Eine ins Illustrative und Farbige geführte Entwicklung stellen die Emaki dar, erzählende Bilder (oft Illustrationen von Dichtungen), die durch elegant-strenge Linienführung, zarte Farbgebung und das fließende Einfügen kunstvoll geschriebener Texte gekennzeichnet sind. Da die Wahl der Bilder durch die Jahreszeit oder einen besonderen Anlaß (z. B. Teezerentonie) bestimmt ist, hat man von China das System der Rollbilder übernommen; diese lassen sich leicht und platzsparend für die nächste Gelegenheit aufbewahren.
Ende des 17. Jhs. wurde das Repertoire durch den Farbholzschnitt erweitert. Er diente zunächst ausschließlich als Massenmedium zur Illustration alltäglicher Vorkommnisse und der Berichterstattung über das Zeitgeschehen. Durch Meister wie Harunobu (1727-1770), Utaniaro (1753-1806), Hokusai (1760 bis 1849) und Hiroshige (1797-1858) wurde diese Gebrauchsgraphik zur Kunst, die europäische Maler nachhaltig beeinflußte (Claude Monet, Vincent van Gogh).
Architektur
Der eigenständige japanische Bautyp ist der Holzpfahlbau, wie er auch in Polynesien anzutreffen ist. Er hat sich bis heute in der Schreinarchitektur, der traditionellen Bauweise des Bauernhauses und z.T. beim privaten Wohnhaus erhalten. Alle Gebäude ruhen auf freistehenden Pfählen, die leichten Wände sind in eine reine Balkenkonstruktion lose und gegenseitig verschiebbar eingepaßt. Charakteristisch ist ferner, daß bei großen Anlagen (Schrein, Palast) die einzelnen Gebäudeteile getrennt in das gegebene Gelände eingepaßt sind und auf äußere architektonische Symmetrie zugunsten von Ubereinstimmung mit Natur und Landschaft verzichtet wird.
Die älteste original japanische Bauform ist in den Schreinen von Izumo und Ise bewahrt, wobei man aber wissen muß, daß diese Schreine immer wieder bis ins kleinste Detail exakt nach ihrem Vorbild neu errichtet werden, der lse-Schrein aus rituellen Gründen alle 30 Jahre. Die aus China übernommene Architektur wird von außen bestimmt: Symmetrische Anordnung und symbolhaft gestaltete Grundrisse (z.B Phönix-Form. Byodo-Tempel in Uji) zwingen dazu. ausschließlich auf ebenen Flächen zu bauen oder Flächen künstlich so einzuebnen, daß eine von den natürlichen Geländegegebenheiten unabhängige Bebauung möglich wird. Musterbeispiele hierfür sind der Heian-Schrein in Kyoto oder der ItsukushimaSchrein auf Miyajima.
Was auf anderen Gebieten der Kultur nur selten gelang, wurde in der modern neu Architektur Japans vorbildlich gelöst, nämlich die Synthese traditioneller Bauweise mit moderner westlicher Architektur zu etwas Neuem, modern Japanischem. Beispielhaft mögen hier die Olympia-Bauten des großen Architekten Kenzo Tange stehen. Japans moderne Architektur hat heute weltweit Vorbildfunktion und bietet zukunftsweisende Konzepte.