Shinto
Shinto, der "Weg der Götter", ist die ursprünglichste Religion Japans und wird ausschließlich dort praktiziert. Im Mittelpunkt steht ein Schöpfungsmythos, der die Entstehung der Welt und die Abstammung des Kaiserhauses unmittelbar von der Sonnengöttin Amaterasu ableitet. Amaterasu ist die Tochter des Urgötterpaares Izanagi und Izanami, welche die japanischen Inseln und die übrigen Hauptgötter - Susanoo, den Sturmgott, und Tsukiyomi, den Mondgoft - schufen.
Die Sonnengöttin beauftragte dann ihren Enkel Ninigi und dessen Nachkommen, Japan in alle Ewigkeit zu regieren und übergab ihm die noch heute im Ise-Schrein aufbewahrten Reichsinsignien, Schwert, Juwel und Spiegel. Ninigis Urenkel wiederum, Jimmu-tenno, eroberte von Kyushu aus das Yamato-Reich und gründete im Jahr 660v. Chr. das japanische Kaiserreich. Entgegen diesem Mythos entstand das Yamato-Reich ein gutes halbes Jahrtausend später, erster historisch nachweisbarer Kaiser ist Ojin (270-310), der seit seinem Tod als Kriegsgott Hachiman verehrt wird.
Bestandteile des Shinto sind der Ahnen-kult, ferner eine umfassende Naturverehrung. in der Berge, Flüsse, Felsen, einzelne Bäume oder in der Natur auffällige Erscheinungen zu Gottheiten (kami) werden können. Solche geheiligten Objekte und Orte werden mit einem aus Reisstroh geflochtenen und mit weißen Papierfahnen verzierten Tabuseil gekennzeichnet. Unter den Shinto-Gottheiten darf man sich keine mit Allmacht und Allwissenheit ausgestatten Götter wie in den monotheistischen Religionen vorstellen. Sie repräsentieren vielmehr heilende und helfende, aber auch zerstörende Kräfte der Natur.
Somit sind sie also keine jenseitigen, außerweltlichen Wesen, sondern in der Natur verwurzelte und dort wirkende Mächte. Ihre Aufmerksamkeit kann man durch zweimaliges Händeklatschen vor dem Schrein auf sich ziehen; Opfer und rituelle Handlungen stimmen die Götter günstig.
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Buddhismus
Dem ganz im Diesseits verwurzelten Shinto setzt der Buddhismus ein polares Weltbild entgegen. Er unterscheidet zwei Seinsbereiche, die Welt der Begierden sowie die Welt der reinen Formen und Nicht-Formen, das Nirwana, in dem es keine Begierden und damit auch keine Leiden mehr gibt. Im Bereich der Begierden werden alle guten und bösen Taten in einer Art Bilanz zusammengetragen, die sich als "Karma auf das künftige Leben nach Tod und Wiedergeburt auswirkt.
Dieser ständige Kreislauf wiederholt sich so lange, bis das Karma aller bisherigen Existenz-formen abgetragen ist und der Verstorbene geläutert ins Nirwana gelangt. Der Buddhismus erlegte es ursprünglich dem einzelnen selbst auf, seinen Weg zur Erlösung durch Askese und Meditation zu finden, was im Grunde genommen den Eintritt in den Mönchsstand oder die Existenzform eines meditierenden Yogi voraussetzt. Diese als ‚Kleiner Wagen (Hinayana) bezeichnete Lehre konnte als Volksreligion nicht populär werden und spielt heute in Japan kaum noch eine Rolle. So bildete sich bald der "Große Wagen" (Mahaya na) heraus.
Hier werden die verschiedenen Inkarnationen Buddhas zu überirdischen Gottheiten, die von der himmlischen Welt aus helfend ins irdische Jammertal eingreifen. Damit ist das Individuum von den entbehrungsreichen und zeitraubenden Formen der Askese und Meditation befreit und kann, ohne der Hoffnung auf Erlösung entsagen zu müssen, aktiv im praktischen Leben tätig sein. Hierbei helfen ihm zusätzlich Bodhisattvas (jap. Bosatsu), bereits Erleuchtete, die freiwillig auf ihre schon erreichte Buddhaschaft verzichten, um den schwächeren Menschen so lange auf dem Weg zur Erleuchtung beizustehen, bis alle erlöst sind. In Japan bildeten sich im Lauf der Jahrhunderte zahlreiche Sekten heraus, die heute alle nebeneinander existieren. Im Tendai-Buddhismus mischen sich esoterische Elemente (geheime Formeln und Rituale) mit volkstümlichen Heilslehren, während der Shingon-Buddhis;nos eher eine asketische Geheimlehre mit ausgeprägten religiösen Zeremonien darstellt.
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Am populärsten ist der Jodo-Buddliismus (jodo: Paradies des Reinen Landes), der Erlösung allein durch die Anrufung des gnadenreichen Amida-Buddha - ohne Meditation oder Studium heiliger Schriften - verspricht. Eine ähnlich populäre und die mit über 30 Min. Anhängern größte Richtung ist die 1253 gegründete Nich iren-Sekre, die im Gegensatz zu den anderen Gruppierungen einen gewissen Ausschließlichkeitsanspruch mit nationalistischen Tendenzen vertritt. Aus ihr ging 1030 die Laienbewegung "Soka-gakkai (Wert-schaffende Gesellschaft) hervor, die durch religiösen Fanatismus, politisches Engagement (Komeito-Partei) und rassistische Töne aus dem ansonsten friedfertigen Rahmen buddhistischer Sekten herausfiullt.
Ganz anderer Art ist der Zen-Buddhisrnus mit seinen zwei wichtigsten Sekten Rinzai und Soto. Hier steht die Erleuchtung (satori) des einzelnen im Mittelpunkt, die allein durch Meditation, insbesondere durch im Sitzen geübte Versenkung (zazen), erlangt werden kann. Gebete und das Studium der Sutren spielen eine untergeordnete (Soto) bzw. gar keine Rolle (Rinzai}. Von Bedeutung ist die direkte Vermittlung der Lehre durch den Zen-Meister, der mit Hilfe paradoxer Fragen (koan) das - vermeintlich - logische Denken seines Schülers erschüttert und damit dessen Bindung an die falsche Welt der Begierden und des Leids zu lösen sucht. Durch seine asketische Ausrichtung, harte Willensschulung und Konzentration auf das Wesentliche übte Zen eine große Anziehungskraft auf die Samurai-Kaste aus und beeinflußt die ästhetisch-kulturelle Entwicklung Japans bis heute nachhaltig.
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Konfuzianismus
Der Konfuzianismus, die Lehren des chinesischen Philosophen Konfuzius (551-479v. Chr.), tritt öffentlich nahezu nicht in Erscheinung, prägte das japanische Denken jedoch fundamental: Ethik, Staatslehre und die Regeln des alltäglichen Handelns sind von die-sein Geist geformt. Kern dieser Lehre ist die Ubertragung kosmischer Beziehungen auf Familie, Gesellschaft und Staat.
Das Verhältnis zwischen Herrscher und Untertan, Vater und Sohn, Mann und Frau, älterem Bruder und jüngerem Bruder oder auch Freund und Freund entspricht dem der Sonne zum Mond und den übrigen Gestirnen. Es beruht auf strenger fiber- bzw. Unterordnung, die durch strikte Loyalität gesichert wird. Oberstes Ziel aller Bestrebungen ist die Herstellung und Erhaltung der Harmonie. die auf Erden ein Abbild der ewigen Weltordnung des Kosmos ist.
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Religiösen Bewegungen
Das Christentum ist in Japan kaum relevant; der Anteil bekennender Christen liegt noch immer wenig über einem Prozent. Kaum größer ist die Anhängerschaft der zum Teil recht skurrilen neuen Sekten und religiösen Bewegungen. die durch ihr oft auffälliges. ja schrilles Gebaren stärker ans Licht der Offentlichkeit treten, als es ihrer Bedeutung entspricht - man denke nur an die mörderischen Exzesse der Aum-Shin-Rikyo-Sekte (Erhabene Wahrheit). Gefördert durch den zunehmenden Werteverfall nach dem Krieg versuchen diese Gruppierungen, mit einfachen Antworten und rigiden Methoden fanatisierte Anhänger um sich zu scharen. Hier findet sich nur noch wenig von der für Japan so typischen religiösen Toleranz.
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