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Version 4.12

 

 

 

 
   

Mit Dojo bezeichnet man den Ort, an dem die asiatischen Kampfkünste geübt werden. Der aus dem japanischen stammende Begriff setzt sich aus den Silben Do und Jo zusammen.


"Do" bedeutet übersetzt soviel wie Weg oder Pfad und kennzeichnet den Weg eines jeden Übenden in den Kampfkünsten. Am Ende dieses Weges steht nicht die Perfektion der Technik (Waza) sondern die vollkommene Harmonie von Körper und Geist. Die Perfektionierung der Technik ist jedoch Mittel zum Zweck, denn die Übung (Geiko) ist zentraler Bestandteil des Weges. Durch stetes Üben erlangt der Schüler Selbstperfektion und die Entdeckung und Kontrolle der inneren Kraft (Ki). Dieses kaum zu erreichende Ziel, hat jeder Wegschüler (Deshi) stets vor sich, ohne jedoch den Weg aus den Augen zu verlieren. Denn nicht das Ziel ist der innere Antrieb, sondern der Weg dorthin („Der Weg ist das Ziel“).


DojoDie zweite Silbe "Jo" bedeutet soviel wie Ort, Platz oder Stelle. Dojo bezeichnet also den Ort, an dem der Weg geübt wird. Dabei ist nicht von irgendeinem Trainingsraum die Rede. Der Wegübende hat eine ganz besondere Beziehung zum Dojo. Für ihn ist es ein heiliger Ort, der oft auch als „Raum der Erleuchtung“ bezeichnet wird. Diese tiefe Beziehung zwischen Übendem und Dojo geht auf den Buddhismus zurück, der den Begriff prägte. Dort war es ein Ort der Selbstfindung und der Meditation.


Ein Dojo unterscheidet sich auch äußerlich von einer Sport- oder Trainingshalle. Während eine Sporthalle möglichst funktionell die Bedürfnisse vieler Sportarten befriedigen muß, ist ein Dojo schlicht und einfach gehalten. Je nach Kampfkunst ist der Boden evtl. mit Matten (Tatami) ausgelegt und an den Wänden hängen manchmal Leitsätze oder Zitate der Stilgründer. Das Dojo sollte ausreichend Platz bieten, so daß auch bei mehreren Übenden niemand den anderen behindert. Auch sollten raumgreifende Techniken, wie solche mit dem Langstock (Bo) oder dem Schwert (Katana) bei Bedarf möglich sein. Allen Dojos gemein ist, daß sie stets sehr sauber sind

DojoMan unterscheidet verschiedene Bereiche im Dojo. Die vordere Wand wird als Shomen (vordere Seite) bezeichnet. In traditionellen Dojos befindet sich dort Kamiza (Sitz der Götter). Dabei handelt es sich um einen kleinen Altar, einen Schrein oder ein Bild des Stilgründers. Auf der linken Seite von Shomen sitzen die Lehrer (Sensei). Diese Seite wird als Joseki (obere Seite) bezeichnet. Den Lehrern gegenüber sitzen die Schüler (Deshi), deren Seite als Shimoseki (untere Seite) bezeichnet wird. Der Eingang zum Dojo befindet sich gegenüber von Shomen . Diese Seite wird als Shimosa bezeichnet.

Ein weiterer wichtiger Punkt in dem sich ein Dojo von einer Sporthalle unterscheidet ist das Verhalten der Übenden. Dies beginnt bereits, wenn der Schüler das Dojo betritt. An der Eingangstür verbeugt sich der Schüler im Stand (Ritsu-rei) in Richtung Shomen und Kamiza. Damit respektiert er etwas, das höher ist als er selbst. Dieser Respekt ist eine wesentliche Voraussetzung für ein erfolgreiches Üben der Kampfkünste.

Nur durch diese Unterordnung und durch den Respekt, den der Schüler der Kampfkunst, dem Meister und den anderen Wegübenden entgegenbringt, kann er selber wachsen und das Wesen des Budo verstehen. Mit dem Betreten des Dojo sollte sich der Budoka ganz auf die vor ihm liegenden Übungsstunden konzentrieren und den Alltag hinter sich lassen.

Betritt der Übende die Matte so verbeugt er sich erneut im Stand. Diese Verbeugung ist in traditionellen Dojos nicht nötig, da dort der geamte Boden mit Tatamis ausgelegt ist. Mit dem Betreten des Dojos ist man also schon auf der Matte. Die Schuhe werden ordentlich nebeneinander am Rand der Matte aufgestellt. Die Matte wird nur Barfuß betreten.

Zu Beginn jeder Übungsstunde erfolgt die traditionelle Begrüßung. Diese Begrüßung variiert leicht zwischen verschiedenen Schulen sowie zwischen den verschiedenen Kampfkünsten und -stilen.

  • Dazu stellen sich Lehrer und Schüler an ihre vorbestimmten Plätzen auf. Dabei stehen höher graduierten Schüler und Lehrer näher an Shomen als niedriger graduierte.

  • Auf das Kommando „Shomen ni“ drehen sich Schüler und Lehrer in Richtung Shomen. Bei „Rei“ erfolgt eine Verbeugung im Stand. Auf „Zeiza “ drehen sich Schüler und Lehrer wieder zueinander. Nun knien sich beide Seiten hin (Seiza).

Ob Schüler und Lehrer gleichzeitig oder nacheinander abknien und ob in der Reihenfolge der Graduierungen abgekniet wird, ist zwischen den verschiedenen Stilrichtungen verschieden. Das Abknien erfolgt zunächst mit dem linken Knie, wobei die Zehen aufgestellt bleiben. Der Beginn des Abkniens mit dem linken Bein hat, wie die gesamte Zeremonie der Verbeugung und des Grußes, einen historischen Hintergrund:

  • ReiDa die Samurai ihr Schwert meißt auf der linken Seite trugen, knieten sich sich zuerst mit dieser Seite ab, damit die Scheide nicht nach hinten, oben ragte, da sonst das Schwert nach vorne herauszurutschen drohte.

  • Dann wird auch mit dem rechten Knie der Boden berührt und man setzt sich kurz auf die Fersen. Die Zehen sind dabei noch aufgestellt. Dies bezeichnet man als aktive Stellung. Sollte es nötig sein, kann man sich jederzeit schnell erheben und dabei mit den aufgestellten Zehen am Boden abstoßen.

  • Nun wird der Körper gerade soweit angehoben, daß die Zehen gestreckt werden können und sich der Bodoka auf die Fersen setzen kann. Dabei werden die Enden des Gürtels (Obi) auf die Seite gelegt. Ob die Füße im Seiza parallel oder über Kreuz liegen wird wiederum zwischen den verschiedenen Stilen und Schulen unterschiedlich gehandhabt.
    Die Hände liegen mit geschlossenen Fingern in der Leistengegend und der Oberkörper ist gerade aufgerichtet, was durch ein leichtes zurückziehen des Kinns unterstützt werden kann. Die Kopf ist gerade ausgerichtet und die Augen schauen „in die Unendlichkeit“.
Anschließend folgt eine Konzentrations- bzw. Meditationsphase. Auf das Kommando „Mokuso “ schließen alle die Augen und senken leicht den Kopf. Während des „ruhigen Denkens“ konzentriert sich der Budoka auf die vor ihm liegende Übungsstunde und läßt den Alltag hinter sich. Der Atmung wird dabei ruhig und gleichmäßig. Diese Phase sollte wenige Minuten lang sein. Die Konzentrationsphase wird mit „Mokuso-yame“ beendet, wobei alle die Augen wieder öffnen und den Kopf gerade ausrichten.

  • Nun erfolgt „Sensei ni rei “, die Ausrichtung und der Gruß zum Meister. Dabei wird zunächst die linke und dann die rechte Hand auf dem kürzesten Weg vor den Knien auf den Boden gelegt und der Oberkörper so weit nach vorne gebeugt, bis die Ellenbogen den Boden berühren. Das Gesäß wird dabei nicht von den Fersen angehoben. Die Unterarme bilden auf dem Boden ein Dreieck, an dessen Spitze die Hände liegen. Die Finger liegen zusammen und die sich berührenden Daumen und Zeigefinger der rechten und linken Hand bilden ein Dreieck. Während der Verbeugung bleibt der Kopf in einer Ebene mit dem Oberkörper und wird nicht gesenkt oder angehoben. Der Rücken sollte dabei möglichst gerade bleiben.
    Rei Rei Rei Rei

  • In dieser Stellung wird ca. 2 Sekunden lang verharrt. Daraufhin erfolgt wieder die Aufrichtung in Seiza. Die Schüler sollten dabei darauf achten, daß sie sich nicht vor den Lehrern oder aufrichten. Für diese Bekundung des Respektes beobachten die Schüler aus den Augenwinkeln, wann sich die Lehrer aufrichten.

  • Anschließend stehen Lehrer und Schüler wieder auf. Dabei wird in umgekehrter Reihenfolge vorgegangen, das heißt, es wird zuerst das rechte und dann das linke Bein aufgestellt. Am Ende der Verbeugung sollten Lehrer und Schüler wie schon zu Beginn, exakt in einer Reihe nebeneinander stehen, was die Harmonie und Konzentration während des Grußes unterstreicht.

  • Wenn sich alle erhoben haben, erfolgt der dritte Gruß „Otagai ni rei“, wobei oft nicht die vollständige Bezeichnung verwendet wird, sondern nur die Kurzform „Rei“. Mit diesem Gruß bezeugen Schüler und Lehrer gegenseitigen Respekt und Achtung. Dieser Gruß wird nicht nur bei der Verbeugung, sondern auch während der gesamten Übungszeit verwendet.

Ritsu-ReiDie Verbeugung im Stand (Ritsu-rei ) wird zum Beispiel zu Beginn und am Ende von Partnerübungen durchgeführt. Damit bezeugen die Übenden gegenseitigen Respekt und danken dem anderen für die Bereitschaft die Übung durchzuführen.


Ritsu-rei wird aus Heiko-dachi heraus durchgeführt. Während sich der Oberkörper nach vorne beugt, wird das linke Bein an das rechte herangezogen. Die Hände liegen bei männlichen Budokas (leicht angewinkelt) außen an der „Hosennaht“ und ändern während der gesamten Verbeugung ihre Position nicht. Bei weiblichen Budokas liegen die Hände zu Beginn auch leicht angewinkelt an der Außenseite der Hose (Zubon). Während sich der Oberkörper nach vorne beugt rutschen die Hände nach innen, bis sie etwa seitlich innen an den Oberschenkeln liegen.

Ritsu-ReiDer Oberkörper verharrt ca. 2 Sekunden in der 45° Stellung, wobei Kopf und Oberkörper in einer Ebene sind. Der Kopf wird also weder in den Nacken gelegt um besser nach vorne schauen zu können, noch sinkt das Kinn auf die Brust. Durch die beschriebene Haltung hat der Budoka etwa einen Bereich von 2m vor sich im Blickfeld. Dies reicht aus, um die Verbeugung mit dem Partner zu „synchronisieren“ oder sich bei einem höher Graduierten Gegenüber (z.B. einem Meister) später als dieser aufzurichten. Entstanden ist diese „Überwachung“ der näheren Umgebung aus der Notwendigkeit, einem möglichen plötzlichen Angriff des Gegenüber rechtzeitig begegnen zu können. Das Ende der Verbeugung erfolgt in umgekehrter Reihenfolge und endet wieder in Heiko-dachi.

Der Gruß wird auch als Bezeugung des Dankes vom Schüler verwendet, wenn der Lehrer ihm etwas gezeigt, erklärt oder ihn auf einen Fehler hingewiesen hat.

  • Auch der Gruß beim Betreten und Verlassen der Matte, sowie beim Betreten und Verlassen des Dojos wird im Stand durchgeführt und bezeugt den Willen zur Harmonie und zum Respekt gegenüber etwas höherem, als man selbst ist.

  • Jede Verbeugung sollte mit größtmöglicher Disziplin durchgeführt werden, denn Respekt, Höflichkeit und gegenseitige Achtung sind wesentliche Grundlagen der Kampfkünste. Eine „versportlichte Form“ der Verbeugung, wie sie häufig z.B. bei Judo-Wettkämpfen zu beobachten ist und sich meist nur noch durch ein Kopfnicken äußert, trägt mit dazu bei, daß die Traditionen immer weiter verdrängt werden. Der Budoka sollte sich stets seines Handelns bewust sein und die traditionellen Werte nicht vernachlässigen („Jede Verbeugung sollte Kata sein“).

 

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