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Das Wesen der koreanischen Kunst

Korea KunstAlle Kunstwerke spiegeln die Denkweise, die Erfahrungen, Gefühle und den Charakter des Künstlers wider, ebenso spiegelt die Kunst eines Volkes die Geschichte, die Kultur und den Nationalcharakter dieses Volkes wider. Einen besonderen Einfluß üben die geographischen Bedingungen aus.

Was die geographischen Gegebenheiten der koreanischen Halbinsel anlangt, läßt sie sich wie folgt charakterisieren: nicht imposant, nicht schroff und rauh, sondern heiter und friedlich.

Der Nationalcharakter des koreanischen Volkes ist von Natur aus friedlich und optimistisch. Diese Charakteristika zeigen sich auch in der koreanischen Kunst, die ebenfalls sanft und humanistisch ist und geprägt von einer natürlichen Schönheit, frei von Künstlichkeit.

Koreanische Künstler versuchen in ihren Werken, Spuren von Künstlichkeit zu vermeiden. Auch wenn diese Werke von Menschenhand geschaffen sind, wollen die Künstler jede menschliche Spur verwischen und Form und Farbe wie in der Natur wiedergeben.

Ausländer, die Korea besucht haben, spüren sofort, daß Koreaner die Farbe weiß lieben. Es gibt verschiedene Meinungen darüber, warum das so ist. Folgende Theorie klingt am überzeugendsten: Den Koreanern wohnt es inne, sich nach der Natur zu sehnen und alle künstlichen Farben zu vermeiden.

Die Liebe der Koreaner zur Natur kommt in Kunstgegenständen aus Holz deutlich zum Ausdruck. Vergleicht man diese mit steinernen Skulpturen aus dem alten Ägypten, so strahlen letztere eine künstliche Kälte aus, dagegen zeigt sich in den koreanischen Holzkunstwerken eine natürliche Schönheit, so z.B. durch die Einbeziehung der natürlichen Maserung in das Kunstwerk.

Gelegentlich erscheinen koreanische Kunstwerke technisch und künstlerisch gesehen unfertig, als ob sie nicht von Künstlern, sondern von Bauern geschaffen worden seien.

Vergleicht man die koreanische Kunst mit der chinesischen und japanischen, so lassen sich ihre Charakteristika gut erkennen. Obgleich es sich um Kunst aus dem gleichen ostasiatischen Raum handelt, zeichnen sich die Werke aus China und Japan durch eine außergewöhnlich ausgeprägte Künstlichkeit aus. Beurteilt man die Kunstwerke nach der Technik, so sind die chinesischen in ganz Ostasien unübertroffen.

Perfekt in der gestalteten Form, makellos gearbeitet, bezaubernd und anrührend im Muster, technisch nahezu vollendet, so zeigt sich die chinesische Keramik. Im Gegensatz dazu bevorzugen koreanische Keramiker vergleichsweise einfache Formen und ruhige Farben, dennoch strahlen ihre Werke eine Eleganz und ein philosophisches Mitgefühl aus, das unbeschreiblich ist und die Menschen in ihrem tiefsten Inneren bewegt.

In chinesischen Gemälden sieht man bis in unbegrenzte Höhen steigende Berggipfel, sich unendlich weit erstreckende Landschaften und Linien, die in übermenschliche Welten führen.

Solch prächtiger Landschaften gibt es in Korea nicht, eine solche Linienführung entspricht auch nicht der Wesensart der Koreaner.

Die japanische Kunst ähnelt technisch gesehen der Chinas, doch in Wirkung und Ergebnis ist sie völlig anders. Die Schönheit der japanischen Kunst stellt sich sehr gut in der Schönheit der japanischen Gärten dar. Die japanischen Gärten bekennen sich zwar zur Natur, doch es ist eine von Menschenhand geschaffene, künstliche Natur en miniature. Ein Charakteristikum der japanischen Kunst ist eine Sinnlichkeit, die durch Benutzung von krassen Farben, Linien und Flächen auf künstliche, dekorative und visuelle Effekte abzielt.

Ein berühmter koreanischer Kunsthistoriker vergleicht in seinen letzten Veröffentlichungen die chinesische, japanische und koreanische Kunst folgendermaßen: die chinesische Kunst ist wie ein großartiger Bühnenschauspieler, die japanische Kunst wie eine prächtig gekleidete Geisha und die koreanische Kunst wie eine in ein weißes Gewand gekleidete, schlichte "Hausdame". Durch diesen Vergleich hat er die Besonderheiten der koreanischen Kunst gut dargestellt.

Ob sein Vergleich zutreffend ist oder nicht, mag dahin gestellt sein. Koreanische Künstler stellen am liebsten natürliche Schönheit dar, sie bemühen sich, die natürliche Schönheit der Materialien zu bewahren. Darauf sind die Koreaner stolz.


Musik

Korea MusicDie koreanische Musik ist stark von der chinesischen beeinflußt, die zwischen dem 7. und dem 10. Jahrhundert nach Korea gelangte. Die koreanische Musik, die sich durch ihr reichhaltiges Instrumentarium und durch Pentatonik auszeichnet, beeinflußte wiederum nachhaltig die japanische Musikentwicklung.

Der ursprüngliche, bodenständige Charakter der koreanischen Musik findet sich nur noch in der Volksmusik. Deren besondere Merkmale sind ternäre Taktarten, die zum Beispiel die chinesische Musik nicht verwendet, und deutlich zu erkennende, sprachlich bedingte Stimm-Modulationen. Ein Harmoniesystem kennt man in der koreanischen Musik nicht. Diesen Mangel gleichen die Musiker durch melodische Ornamentierungen aus. Diese Ornamentierungen in Form von Klangbild, Kleinintervallen und Vibratos überraschen unsere Hörgewohnheiten.

Die koreanische Musik ist sehr rhythmisch. In der traditionellen Musik besteht ein Takt entweder aus zwölf oder aber aus neun Schlägen. Da ein Zwölfertakt unterschiedlich aufgeteilt werden kann, betonen die einzelnen Instrumente verschiedene Beats.

Beliebte Gattungen der Volksmusik sind Pansori, epische Geschichten, mit Gesang vorgetragen, sowie Sanjo, Improvisationen für Solo-Instrumente, die von Trommeln begleitet werden.

Aak bezeichnet die elegante Hofmusik Koreas. Ursprünglich ist Aak chinesischer Herkunft, eroberte aber die höfischen Genres in Korea. Heute kann man Aak nur noch selten hören.

Eine gute Gelegenheit Aak zu hören, bieten die großen konfuzianischen Rituale, die zweimal im Jahr in Seoul stattfinden. Aak wird hier als Cheryeak bezeichnet, die Musik zum Chongmyo Ancestral Ritual. Diese Musik stammt aus der Regierungszeit von König Sejong (1418-1450).
Eine Möglichkeit dieses Ritual mit der dazugehörigen Musik zu erleben, ist der erste Sonntag in jedem Mai, wenn die Nachfahren der Königsfamilie Chun ju Yi der königlichen Vergangenheit huldigen und die alten konfuzianischen Riten am Chongmyo-Schrein zelebrieren.

Hier können Sie bis zu zwanzig verschiedene klassische chinesische und koreanische Instrumente bestaunen und hören, die in zwei verschiedenen Orchestern arrangiert sind. Das Terrassen-Orchester wird als Tûngga bezeichnet und das Orchester vor der Terrasse als Hõnga. In der Chosõn- Periode bestand das Tûngga-Orchester aus einem Sänger und 36 Musikern. Das Hõnga-Orchester zählte sogar 72 Musiker.

Der Kunstgesang der koreanischen Literaten umfasst die Gattungen Kagok, Sijo und Kasa. Kagok sind zyklische, lyrische Gesänge. Sijo bezeichnet die kurzen lyrischen Gesänge. Kasa sind die erzählenden Lieder. Diese Gattungen werden bis heute gepflegt, und Sie können sie bei verschiedenen traditionellen Veranstaltungen hörten.

Traditionelle Musikinstrumente

Es gibt ungefähr sechzig traditionelle Musikinstrumente in Korea, die von Generation zu Generation weitergereicht und erlernt wurden.

Zwei Instrumente, die nachweislich schon im 6. Jahrhundert in Korea gespielt wurden, sind die Kayagûm (eine zwölfsaitige Zither) und die Kõmun-go (eine sechssaitige Zither). Beide Instrumente sind auch heute noch zu hören und haben ihren Platz in traditionellen koreanischen Orchestern.

Zur Zeit der Drei Königreiche wurden in Korea dann auch Instrumente aus anderen Kulturkreisen eingeführt, wie zum Beispiel Instrumente aus Tang-China. Diese Instrumente eroberten sich langsam ihren Platz in Korea, so daß es heute schwer wäre, diese Musikinstrumente aus der traditionellen Musik Koreas herauszustreichen.

Traditionelle koreanische Instrumente kann man in drei Gruppen einteilen: Saiten-, Blas- und Perkussionsinstrumente. Eine weitere Dreiteilung, die sich an der Herkunft orientiert, teilt die Instrumente in ursprünglich koreanische, Tang-chinesische und höfische Instrumente.

P´ansori

Korea PansoriAm 08.11.2003 wurde die traditionelle koreanische Einmannoper P'ansori von der UNESCO zum geistigen Weltkulturerbe erklärt. Pansori ist damit das zweite immaterielle koreanische Kulturgut, das in die UNESCO-Liste der Weltkulturerben aufgenommen wurde. Im Jahre 2001 wurde bereits die Begleitmusik zur königlichen Ahnengedenkfeier, Chong-Myo-Je-Re-Ak, zum Weltkulturerbe bestimmt .
In Korea ist P'ansori schon am 24.12. 1964 zum Important Intangible Cultural Properties Nr.5 aufgestiegen.


P'ansori bedeutet, daß ein Sänger, eine lange Geschichte singend erzählt. Dabei werden Gesänge (sori), bestimmte Begriffe (aniri) und Gesten (neoreumsae) zum Rythmus des Trommlers vorgetragen. Es befinden sich während dem Vortrag nur zwei Personen auf der Bühne: der Sänger (kwanghae) und ein Trommler (kosu). Der Sänger nimmt während seines Vortrags die Rollen aller Personen an, die in seiner Geschichte auftreten.
Die Vorträge sind lebhaft, oft traurig, sehr lustig und durch die Eindringlichkeit des "heiseren" Gesangs berührend, selbst wenn einem als ausländischer Besucher oft die Geschichte fremd bleibt.
P'ansori wird zu langsamen (jinyangio=adagio) und schnellen (junmori=moderato) beats vorgetragen, abhängig von der Erzählsituation und dem Verlauf der Geschichte.
Der Vortrag wird immer wieder von Zwischenrufen des changgu-Spielers, der den Sänger anfeuern oder die Geschichte kommentieren möchte, ergänzt.

Der Ursprung dieses Gesangs ist nicht genau bekannt. Eine These geht davon aus, daß diese Kunstform bis in die Shilla-Periode zurückreicht. Eine andere These, die auf Untersuchungen im koreanischen Schamanismus verweist, behauptet, daß in den Vorträgen der muga insbesondere in den südlichen Regionen, in denen Erbschamanen (sesupmu) ihre Rituale abhielten (Bsp.: namhaean pyolshin kut ) der Ursprung des P'ansori zu suchen sein könnte.

In Korea ist P'ansori sehr beliebt und wer gelegentlich bei Arirang-TV reinzappt, der wird immer wieder die Gelegenheit haben, traditionelle P'ansori Gesänge zu bewundern.
P´ansori ist aber nicht nur eine Kunstform der Vergangenheit. Mit neuen Geschichten und Melodien versuchen insbesondere jüngere Sänger, den modernen Zeiten gerecht zu werden…ein Grenzgang zwischen Moderne und Tradition, der von der Lebhaftigkeit der koreanischen Kultur zeugt.

Berühmte Pansorisänger:

Kim Yeoran, Kim Yeonsoo, Kim Sohee sind Meister des Chunhyangga
Chung Gwonjin ist Meister des Shimcheongga
Park Rokjoo ist Meister des Heungboga,
Chung Yonghun, Park Chowoul sind Meister des Soogungga
Park Dongjin, Park Bongsul, Han Gapjoo sind Meister des Jukbukga

Malerei

Allgemeines

Die traditionelle Malerei in Korea unterscheidet sich grundlegend von der westlichen in Konturen, Farben und Motiven. Viele Bilder haben einen eher "funktionalen" Charakter. Sie wurden zur Dekoration des Hauses und alltäglicher Gegenstände gemalt. Oder drücken den Wunsch nach einem langen Leben, nach Wohlbefinden, nach Glück aus.

Die meisten traditionellen Kunstwerke sind nicht signiert, so daß man keinen Rückschluß auf den Künstler und sein Umfeld ziehen kann. Viele traditionelle Bilder sind Darstellungen von Landschaften, Tieren
und Blumen. Alte traditionelle Bilder zeigen oft Szenen, die Aufschluß über die Sitten, Gebräuche und den Lebensstil der Zeit erlauben.

Die Qualität der Bilder variiert sehr stark. Es gibt Malereien von Künstlern, die am königlichen Hof professionell tätig waren, und andere Kunstwerke, die zum Beispiel von Wandermönchen angefertigt wurden.

Die ältesten traditionellen Kunstwerke in Korea sind Felsenmalereien, wie etwa die in Pan´gudae / Ulsan. Ihr häufigstes Motiv ist die Darstellung von Tieren. Spuren früher Malerei finden sich in den Königsgräbern der Epoche der Drei Königreiche (57 v.Chr.-668 n.Chr.). Diese Malereien vermitteln einen Eindruck über die Vorstellungswelten und die Lebensweise der damaligen Zeit in Korea.

Aus der Koryõ-Periode (918-1392), der Blütezeit des Buddhismus in Korea, stammen viele buddhistische Gemälde. Sie kann man zum Teil heute noch in den verschiedenen Tempeln des Landes bewundern.

Die Chosõn-Periode (1392-1910) war durch die Lehren des Konfuzianismus geprägt. Die Dominanz chinesischer Ideen von Kunst und Schönheit spiegelt sich in den Kunstwerken dieser Zeit wieder. Die Volksmalerei war frei von religiösen und ideologischen Gedanken. Diese Malereien zeichnen sich oft durch stilisierte Motive, schlichte Komposition und Verwendung von Primärfarben aus.

Die traditionelle Malerei kann man aus diesem Grund grob in zwei Kategorien einteilen: die religiös motivierte und die weltliche Kunst. Zu den religiösen Kunstwerken zählen alle Darstellungen, die im Zusammenhang mit dem Buddhismus, Taoismus, Schamanismus und - insofern man den Konfuzianismus als Religion akzeptiert - mit dem Konfuzianismus stehen.
Konfuzianische Bilder beschäftigen sich weniger mit spirituellen Werten oder Wesen, sondern mit der Darstellung der Ahnen, gebunden an die Ahnenverehrung, und der Darstellung von moralischer Disziplin.
Die weltlichen Kunstwerke sind Darstellungen aller anderen Bereiche des Lebens in Korea. Meist handelt es sich um Portraits, Landschaften, geschichtliche Darstellungen, astrologische Karten und Alltagsszenen.

Tanch’õng

Tanch'õng ist eine hochentwickelte Kunstform in Korea, die sich im Laufe der letzten Jahrhunderte entwickelt hat. Tanch'õng bezeichnet im wesentlichen die Dekorationen an Tempeln, Gebäuden oder anderen Gegenständen, die überall in Korea bewundert werden können.

In den verschiedenen Provinzen variieren die Motive und Muster, die zu dekorativen Zwecken verwendet werden. Obwohl es verschiedenste Varianten in Korea gibt, verbinden diese Arbeiten doch traditionelle Vorstellungen und ein einheitlicher Stil. Eine wesentliche Gemeinsamkeit der verschiedenen kunstvollen Arbeiten ist die Verwendung der Farben grün, rot, blau, gelb, schwarz und weiß.

Die Muster des Tanch'õng werden in vier verschiedene Typen eingeteilt. Diese Einteilung orientiert sich an den Motiven und an der Plazierung der Muster.


Moruch´o

Diese Muster, die je nach Region und Gebäude etwas variieren, wurden auf die tragenden Stützbalken des Gebäudes aufgetragen. Meistens bestehen die Muster aus grünen Blumen, Wasserlilien, Federn oder Granatäpfeln. Ein solches Muster wurde in allen wesentlichen Teilen des Gebäudes wiederholt und sticht dem Betrachter deshalb am ehesten ins Auge.

Pyõlchihwa

Mit dieser Technik wurden kleine Geschichten in die Muster eingewoben. Die Art der Geschichte bezog sich natürlich auf die Art des Gebäudes. Es gibt diese Technik allerdings nicht in Palästen. Meistens kann man sie in Tempeln sehen, wo kleine Sutras erzählt werden.
Ein weiteres Kennzeichen von Pyõlchihwa sind Tierdarstellungen von symbolischem Gehalt, die in das Muster verwoben wurden. Typische Tiere waren Drachen, Pferde, Löwen und Kraniche. Andere häufig verwendete Muster sind die Orchidee und der Bambus.


Pidanmuri

Pidanmuri sind seltene, sehr elegante Zeichnungen oder geometrisch angelegte Muster, die in verschiedenen Teilen des Gebäudes aufgetragen wurden.


Tandonmuni

Diese Technik beschränkt sich auf die Darstellung eines Musters oder einer Form in einem Bereich des Gebäudes. Tanch'õng ist nicht nur Schmuck, sondern verbindet künstlerische Aspekte mit praktischen Erwägungen. Die aufgetragenen Farben schützen und erhalten das Ursprungsmaterial.
 
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