Was den Kyosaku als Mittel der Bestrafung anbelangt, so entspricht eine solche Praxis nicht dem Geist einer Zen-Halle. Wenn er geschickt verwendet wird, ist der Kyosaku schlicht ein Stimulans. Er trifft dann die Schultermuskulatur aus einembestimmten Winkel und mit exakt soviel Kraftaufwand, daß er einen leichten Stich verursacht und sonst nichts.
In vielen Klöstern, das unsrige eingeschlossen, erhält man den Kyosaku nur, wenn man darum bittet.
Wenn man sich abgeschlagen oder schläfrig fühlt, so fügt man die erhobenen Hände zum Gasshö zusammen, dem mit dem Übungsleiter vereinbarten Zeichen. Während dieser von hinten die Schulter des Übenden antippt, läßt jener seine Hände wieder in den Schoß sinken und bewegt den Kopf zunächst nach links und dann nach rechts, während er einige leichte Schläge auf die Schultern erhält. Danach nimmt er wieder die Gasshö-Haltung ein. Vor und nach dieser Prozedur verbeugt der Übungsleiter sich jeweils in der Gasshö-Haltung vor dem Schüler. Diese Prozedur wird von Übungszentrum zu Übungszentrum ein wenig unterschiedlich gehandhabt.
Der Kyosaku gilt traditionell als »Erweckungsstock«, so die buchstäbliche Bedeutung des Wortes. In der fernöstlichen Feudalgesellschaft waren die Zen-Schüler auf eine härtere Behandlung vorbereitet, als wir im Westen es vielleicht vermuten würden. |